Pössl Engineering inside


Unser Greeny hat uns zu konkreten Fragen an das Pössl Engineering veranlasst (siehe unser „Greeny“). Wir haben schriftlich um einen Interviewtermin bei den Kastenwagen-Entwicklern in Isny angefragt und haben ihn gekriegt. Herausgekommen sind interessante Einblicke in den PEP (Produktentstehungsprozess).

Schau selbst, wie dort mit Kundenideen umgegangen wird, welche Leute dort am Werke sind und mit welchen Engineering-Konzepten die Pössl-Kästen entstehen:

Nun habe ich als Berater und Ingenieur (oh ja, neben der Bloggerei habe ich noch einen Hauptberuf) schon viele Konstruktionsbereiche von innen gesehen und musste feststellen, dass auch bei Dethleffs (Pössl kauft nicht nur die Fertigung sondern auch die Entwicklungsdienstleistung komplett dort ein) nur mit Wasser gekocht wird.  Aber mit viel! Branchenweit sind neun Konstrukteure für die reinrassige Kastenwagenentwicklung (ausschließlich Pössl’s D-Line) vergleichsweise viel. Während in den sogenannten Manufakturen maximal eine Hand voll Leute mit 2D-Zeichnungen hantiert, ist Dethleffs‘ technische Ausstattung, nämlich 3D-CAD-System Solid Edge mit integrierter Modelldatenverwaltung, diesen überlegen. Gerade wo modulare Baugruppen konzipiert werden, sind alle Varianten auf Kollisionsfreiheit und Machbarkeit zu bewerten.

Wie kommt man an gute Ideen? Kreativität wächst nicht auf Bäumen. Während jeder Einzelne von uns Freizeit-KaWa-Piloten nur sein individuelles Fahrzeug und den persönlichen Nutzen einer Idee vor Augen hat, nimmt Pössl in Isny alles an Ideenströmen systematisch auf und bewertet nach festen Kriterien den Aufwand, Nutzen und die Kosten über das ganze Produktportfolio der D-Line. Klingt professionell. Klar, dass nicht jede eingereichte Kundenidee umsetzbar ist, aber super, dass Pössl diese Rückmeldungen genau so ernsthaft überprüft wie die Konzepte aus eigenen Reihen.

Welche Ideen haben nun Chance auf Umsetzung? In erster Linie geht es Pössl um monetären Mehrwert. Entweder lässt sich das fertige Fahrzeugfeature für zusätzlichen Preis verkaufen oder es spart Kosten im Vergleich zum Vorherigen. Ein erhöhter Preis ist bei dem typischen Pössl-Kunden nur sehr schwer zu realisieren, denn er ist sehr preissensitiv. Um ehrlich zu sein, würden wir als Kunde keinen Mehrpreis von 100 Euro für eine Option Zentralverriegelung Küchenblock bezahlen. Die Materialkosten für drei Schließzylinder samt automatischer Schließung  würden plus Montage locker diese Summe verschlingen. Der konstruktive Aufwand, der auf alle verkauften Stückzahlen umgelegt wird, ist dort noch nicht enthalten. Danke, Gunnar, für die Aufnahme dieser Idee in unserem Interview, aber es wird uns nicht verwundern, wenn diese Idee zum CS 2018 nicht präsentiert wird.

Anders gestalten sich Produktkostensenkungsideen. Hätten wir, rein hypothetisch, eine gute Idee jede Auszugsschiene am Küchenblock nur einen Euro preisgünstiger zu liefern, als die heutige Lösung, so hätten wir bei vier Auszugschienen je Fahrzeugen und 4000 relevanten Fahrzeugen je Jahr 16.000Euro an Potential. Änderungsaufwand, Testdurchführung und Materialgemeinkosten des neuen Materials ständen dagegen. Wegen der hohen Stückzahl bei Pössl sind sie, auf alle relevanten Fahrzeuge umgelegt, verhältnismäßig klein. Klar, das Pössl solche Einsparungsziel-Ideen deutlich mehr interessiert, aber irgendjemand muss erst mal drauf kommen. Solltest Du, kreativer Leser dieser Zeilen, solche wirklich guuuuten Ideen haben, kontaktiere uns gerne. Wir werden Sie an Pössl weiterleiten.

An dieser Stelle gilt mein Dank vorerst Gunnar Nübling für die interessanten Einblicke in das Herz der Pössl-Entwicklung. Spannender Job dort an der DNA unserer zukünftigen KaWas!

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